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Ein vergessener Ebersteiner
Das Grabdenkmal des Hans Bernhard von Eberstein in der Frauenkirche

Das für Hans Bernhard von Eberstein (1545 bis 1574) im Stil der späten Renaissance geschaffene Denkmal hat ein hohes künstlerisches Niveau und ist sehr sorgfältig gearbeitet. Der Verstorbene ist frontal, mit über dem Brustharnisch verschränkten Händen dargestellt. Helm, Eisenhandschuhe und Schild sind neben seinen Füßen abgelegt. Die Platte, auf der er steht, wird von kleinen Putten gehalten. Rechts und links erscheinen die Wappen seiner Eltern Hans Jakob I. von Eberstein und Barbara von Daun (Eifel). Das obere Viertel des Denkmals nimmt eine Inschriftentafel ein, in welche die Skulptur des Verstorbenen ein Stück weit hineinragt. Rechts und links des Hauptes sind die lateinischen Worte „alterius vitae spes“ (Hoffnung auf ein anderes Leben) eingemeißelt. Noch weiter oben ist auf Deutsch zu lesen, dass „der wolgeboren Herr Hans Bernhart“ am 11. April 1574 starb und dass er nicht nur „Graff zu Eberstein“, sondern auch „Herr zu Rixingen und Frauenburg“ (bei Idar-Oberstein) war.

In den Besitz dieser zwischen Nahe und Eifel gelegenen Gebiete kam er durch seine Mutter. Sie starb bereits 1546 und wurde ebenfalls in der Liebfrauenkirche beigesetzt. Ihre Grabstätte ist nicht mehr erhalten. Hans Bernhards Vater Hans Jakob war ein Bruder Graf Wilhelms IV., der 1556 in der Grafschaft Eberstein die Reformation einführte.

Im Gegensatz zu ihm blieben Hans Jakob und sein Sohn aber katholisch. Sie starben im selben Jahr 1574 und wurden im Boden der Liebfrauenkirche unter einer gemeinsamen, heute verschollenen Grabplatte beigesetzt. Daneben wurden noch zusätzliche Grabdenkmäler aufgestellt, von denen nur das für den Sohn erhalten ist.

Verheiratet war Hans Bernhard seit 1567 mit Margarethe von Dietz, einer Tochter Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen. Landgraf Philipp war evangelisch und hatte in seinem Land schon 1527 die Reformation eingeführt. Er gehörte zum Stand der Reichsfürsten, das heißt zur adligen und politischen Elite der damaligen Zeit.

Seine Tochter Margarethe war allerdings nicht ganz standesgemäß, da sie aus einer zweiten Ehe des Landgrafen mit einer Frau stammte, die in damaligen Fürstenkreisen als Mesalliance galt

Bei der herausragenden Stellung ihres Vaters ist es aber trotzdem unwahrscheinlich, dass Margarethe vor der Ehe mit dem katholischen Hans Bernhard konvertieren musste. Allerdings wurde Hans Bernhard auch nicht evangelisch, was sein Grabmal in der zu dieser Zeit katholischen Liebfrauenkirche beweist. Wie die beiden ihr Problem gelöst haben, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Lange Zeit hatten sie nicht miteinander. Hans Bernhard starb mit 29 Jahren. Vier Jahre später heiratete Margarethe einen Protestanten: Stephan Heinrich von Eberstein-Naugard. Er entstammte einem Grafengeschlecht mit Besitzungen in Sachsen, Thüringen und Pommern (Naugard östlich von Stettin, heute Polen), das sich ebenfalls von Eberstein nannte.

Auch Hans Bernhards Kinder wandten sich dem evangelischen Glauben zu. Allerdings blieb sein Bruder Hauprecht beim alten Bekenntnis. Und auch der badische Markgraf, der in der Grafschaft Eberstein mitregierte, war zu dieser Zeit streng katholisch. Scharfe Gegensätze waren die Folge. 1585 ließ der badische Markgraf gegen den Willen der Gernsbacher die evangelische St. Jakobskirche schließen. Gegen die katholische Übermacht besetzte Margarethes zweiter Mann Stephan Heinrich von Eberstein-Naugard 1587 bei Nacht und Nebel Schloss Eberstein. Die Religionsstreitigkeiten eskalierten. Die Bevölkerung wurde nach den religiösen Ansichten der jeweils Herrschenden mehrfach „umgekrempelt“.

Hans Bernhard konnte in seinem kurzen Leben zur Geschichte seiner Zeit nicht viel beigetragen. Nur in genealogischer Hinsicht war er unverzichtbar: Er zeugte zwei Söhne und sorgte so für den Fortbestand des Hauses, während die Linie seines Onkels Wilhelms IV. im Mannesstamm schon 1589 ausstarb. Sein Grabdenkmal in der Liebfrauenkirche ist eines der schönsten unter den wenigen, die uns die Ebersteiner hinterlassen haben.


Quelle: Literaturdesign
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